Kaum jemand zweifelt heute noch daran, dass „Soft Dinks“ zu einem massiven gesundheitspolitischen Problem geworden sind. Dies ist sicherlich vor allem darauf zurückzuführen, dass der (langdauernde, hohe) Konsum dieser energiereichen Getränke zur Entstehung von Adipositas, zum metabolischen Syndrom und Typ-2-Diabetes beitragen kann. Besonders relevant ist der Umstand, dass diese Getränke zu einem nicht unbeträchtlichen Teil an der weltweit zu beobachtenden Epidemie der Adipositas bei Jugendlichen/ jungen Erwachsenen ursächlich beteiligt sind.
Nebenwirkungen werden nicht nur durch den absoluten Energiegehalt dieser Getränke, sondern auch durch die Art des Kohlenhydrats bedingt. Die in vielen Getränken wegen der gegenüber Glukose höheren Süßkraft enthaltenen Fruktose kann jenseits des Energiegehaltes zu einer weiteren Verstärkung der Insulinresistenz und der Hypertonie, zur Hypertriglyzeridämie, Hyperurikämie und auch zu osmotisch-bedingten Diarrhöen führen.
Neben diesen wohl relevantesten Aspekten wurden auch zahlreiche andere seltenere Komplikationen beobachtet, wie Zahnschmelzveränderungen, Osteoporose, Ösophagusperforationen, Zungenerosionen, Synkopen, Gastritis und andere mehr.
Für den Nephrologen sind einige der möglichen gesundheitlichen Nebenwirkungen interessant. Cola-ähnliche Getränke führen zur Nephrolithiasis. Der Konsum dieser Getränke bedingt eine Änderung der physikochemischen Harnzusammensetzung und begünstigt die Steinbildung (Rodgers A, Urol Res 27:77, 1999).
Gerade jüngst wurde über mehrere Fälle mit ausgeprägter Hypokaliämie berichtet (Tsimihodimos V, Int J Clin Pract 63:900, 2009). Die klinische Symptomatik imponiert vorwiegend durch muskuläre Schwäche, die allerdings bis zur respiratorischen Insuffizienz und Notwendigkeit der künstlichen Beatmung führen kann (Packer CD, Int J Clin Pract 63: 831, 2009). Als Hauptursache für diese Hypokaliämie wird der Coffein-Gehalt dieser Getränke angesehen. Coffein führt zu einer Erhöhung der zellulären Aufnahme von Kalium und erhöht den renalen Kaliumverlust. Hypokaliämien wurden auch bei exzessivem Kaffee-Konsum beschrieben (Passmore AP, Ann Int Med 1086; 105:468).
Was aber aus nephrologischer Sicht noch wesentlich bedeutsamer sein könnte, ist die Tatsache, dass in einer epidemiologischen Studie aus den USA ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Cola-Getränken und einer Nierenschädigung bzw. der Entstehung eines chronischen Nierenversagens gefunden wurde (Saldana TM, Epidemiology 18:501, 2007). Der langdauernde Konsum dieser Getränke hatte das Risiko, eine chronische Niereninsuffizienz zu entwickeln, um das 2,3-fache erhöht. Ob eine vorbestehende Nierenschädigung diesen negativen Effekt steigern könnte, ist aus dieser Studie nicht abzuleiten. Jedenfalls war ein Trend zu einer verstärkten Schädigung bei Diabetikern zu beobachten.
Viele der gesundheitlich schädigenden Effekte von Cola-artigen Getränken werden auf einen exzessiven Konsum zurückgeführt. Das Bemerkenswerte an dieser Studie war die Beobachtung, dass schon eine eher mäßige Menge von „2 oder mehr Gläsern Cola-Getränken pro Tag“, also weniger als einem Liter pro Tag, das Risiko, ein Nierenversagen zu entwickeln, erhöhte.
Energiearme „light“ Varianten dieser Getränke führten gleichermaßen zu einer Steigerung des Risikos. Nicht kohlensäurehältige Soft-Drinks hatten keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, eine Nierenschädigung auszubilden.
Mit derartigen epidemiologischen Studien können wohl Assoziationen beschrieben, ein kausaler Zusammenhang jedoch nicht bewiesen werden. Coca Cola-Trinker waren ärmer, schlechter ausgebildet, hatten einen höheren BMI. Die Ergebnisse der Studie wurden um diese Faktoren korrigiert; es ist aber sicherlich nicht auszuschließen, dass auch andere Lebensstilfaktoren zu diesem ungünstigen Effekt auf die Nieren beigetragen hatten. Für eine schlüssige Beweisführung wären prospektive Interventionsstudien notwendig.
Auch kann über die Ursachen einer derartigen potentiellen Nierenschädigung nur spekuliert werden. Die Autoren dieser Studie führen diese Assoziation auf den (hohen) Phosphatgehalt dieser Getränke zurück. Phosphat-freie Soft Drinks, die mit Zitronensäure angesäuert sind, verursachten keine Nierenschädigung. Eine Phosphat-reiche Ernährung erhöht den Plasmaphosphatspiegel und führt zumindest im Tierversuch zur Nephrokalzinose und Nierenversagen (Matsuzaki H, J Nutr Sci Vitaminol 43:627, 1997). Phosphatreiche Darmspüllösungen haben in zahlreichen Fällen eine akute „Phosphat-Nephropathie“ verursacht. Diese Argumentation wird auch dadurch gestützt, dass bei starkem Cola-Konsum ein Hyperparathyreoidismus beobachtet wurde (Johansen DL, Ugeskr Laegr 161:2362, 1999).
Die Entstehung einer chronischen Niereninsuffizienz könnte auch dadurch begünstigt werden, dass ein langdauernder (hoher) Konsum dieser energiereichen Getränke zu einer Verstärkung von verschiedenen kardiovaskulären Risikofaktoren, wie Adipositas, metabolischem Syndrom, Typ-2-Diabetes, Hyperurikämie oder Hyper- tonie führt.
Wenn man im Lichte dieses breiten Spektrums an möglichen Gesundheitseffekten von Cola-ähnlichen Getränken bedenkt, dass viele Millionen Menschen pro Tag mehr als 2 Liter trinken, kann man ermessen, welche gesundheitspolitische Bedeutung dieser Typ von Getränken auch in Europa erlangt hat. Sicherlich macht die „Dosis das Gift“; diese epidemiologische Studie lässt jedenfalls befürchten, dass relevante renale Nebenwirkungen schon bei durchaus nicht unüblichen Trinkmengen von Cola-artigen Getränken auftreten können.
Prof. Dr. Wilfred Druml
Abteilung für Nephrologie
Medizinische Universität Wien
wilfred.druml@meduniwien.ac.at
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