NEPHRO-NEWS, Ausgabe 6/08

Franz-Volhard-Preis 2008: an Herrn Prof. Dr. Siegfried Waldegger


Der renomierteste Preis der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie ist der Franz-Volhard-Preis. Dieser Preis ging dieses Jahr an Herrn Prof. Dr. Siegfried Waldegger, leitender Oberarzt am Universitäts-Klinikum Giessen und Marburg GmbH, Zentrum Kinderheilkunde, Standort Marburg. Mit diesem Preis werden Wissenschaftler mit herausragender Forschungsaktivität geehrt.
Siegfried Waldegger wurde 1969 in Landeck (Österreich) geboren. Nach dem Abitur (mit Auszeichnung) studierte er an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck Humanmedizin (mit Auszeichnung) und promovierte am Institut für Physiologie der Universität Innsbruck (Vorstand: Prof. Dr. P. Deetjen) zum Dr. med. (mit Auszeichnung).

Von 1993-1998 war Herr Dr. Waldegger wissenschaftlicher Assistent am Institut für
Physiologie der Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Vorstand: Prof. Dr. F. Lang), von 1998-2000 wissenschaftlicher Assistent am Zentrum für Molekulare Neurobiologie des Universitätsklinikums Hamburg (Vorstand: Prof. Dr. Dr. T. Jentsch). Im Jahr 1999 wurde Herr Dr. Waldegger im Fach Humanphysiologie an der medizinischen Fakultät der Universität Tübingen habilitiert, im Jahr 2000 erhielt er die Anerkennung zum Facharzt für Physiologie. Von 2000-2005 war Herr Dr. Waldegger Assistenzarzt am Zentrum für Kinderheilkunde des Universitäts-Klinikums Marburg (Direktoren: Prof. Dr. H. Seyberth und Prof. Dr. R. Maier). 2004 erfolgte die Ernennung zum Außerplanmäßigen Professor am Fachbereich Medizin der Philipps-Universität Marburg, 2005 die Anerkennung zum Facharzt für Kinder- und
Jugendmedizin, 2006 die Ernennung zum Oberarzt und die Erweiterung der Venia
legendi für das Fach Pädiatrie. Seit 2007 ist Herr Prof. Waldegger leitender Oberarzt am Zentrum für Kinderheilkunde, Standort Marburg, des Universitäts-Klinikums Giessen und Marburg GmbH. Herr Prof. Waldegger ist verheiratet und Vater zweier Söhne.

Das Schriftenverzeichnis von Herrn Prof. Waldegger ist exzellent. Es weist gegenwärtig 83 Originalarbeiten in vielen hochkarätigen Zeitschriften auf. Darüber hinaus belegen 18 Übersichtsartikel und 6 Lehrbuchartikel die ungeheuere Produktivität und Originalität des Ausgezeichneten. Das wissenschaftliche Werk von Herrn Prof. Waldegger ist mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden.

Im Rahmen der medizinischen Doktorarbeit galt sein Hauptinteresse der Regulation membranärer Ionentransportprozesse durch ein ras-Onkogen kodiertes G-Protein, das in
stabil transfizierten Fibroblasten überexprimiert wird. Mit Hilfe elektrophysiologischer Untersuchungstechniken konnte gezeigt werden, dass die Aktivierung des ras-
Onkogens durch Änderungen von Ionenleitfähigkeiten und Ionentransportprozessen zu einer Zunahme des Zellvolumens führt und dass das Zellvolumen ein wichtiges Signal für die proliferative Wirkung der ras-Onkogen-Überexpression darstellt.

Am Physiologischen Institut der Universität Tübingen konzentrierte sich Herr Dr. Waldegger auf proximal-tubuläre Kotransport-Proteine. Molekularbiologisch und elektrophysiologisch charakterisiert wurden dabei der Na+-Sulfat-Kotransporter NaSi, verschiedene Vertreter der Na+-Phosphat-Ko­transporterfamilie NaPi, der Aminosäurenaustauscher rBAT sowie Transporter organischer Kationen und organischer Osmolyte.
In Hamburg beschäftigte sich Herr Dr. Waldegger mit der Struktur und Funktion Nieren-spezifischer epithelialer Chlorid-Kanäle. Im Vordergrund stand dabei die funktionell-molekulare Charakterisierung von CIC-K-Chloridkanälen. Hier konnte der
Ausgezeichnete zeigen, dass ein Funktionsverlust des CIC-Kb-Chloridkanals, der im
distalen Tubulus der Niere exprimiert wird, ursächlich für das Krankheitsbild des Bartter-Syndroms – einer hereditären Salzverlust-Nephropathie – verantwortlich ist. Es folgten Untersuchungen zur transepithelialen Chlorid-Resorption in der Niere und zur Chlorid-Sekretion in Colon-Krypten.
Für diesen für die Pathophysiologie der  zystischen Fibrose sehr bedeutsamen Prozess konnte gezeigt werden, dass der Interaktion einer bis dato nicht charakterisierten neuen beta-Untereinheit mit dem spannungsabhängigen KCNQ1-Kaliumkanal eine entscheidende physiologische Rolle zukommt.
Motiviert durch die Klärung dieser auch für die Klinik bedeutsamen Fragestellungen suchte Herr Prof. Waldegger die Möglichkeit, die Verbindung zwischen Grundlagenforschung und Klinik weiter zu vertiefen. In Fortsetzung der molekularen und funktionellen Analyse Nieren-spezifischer Chlorid-Kanäle gelang Herrn Prof. Waldegger  am Zentrum für Kinderheilkunde in Marburg die Charakterisierung einer neuen Chlorid-
Kanaluntereinheit, deren Defekt den Phänotyp einer Salzverlustnephropathie mit angeborener Taubheit begründet. Phänotypisch kopiert wird diese Erkrankung durch den gleichzeitigen Ausfall beider durch diese Untereinheit regulierten Chloridkanäle, wofür sowohl der genetische als auch der funktionelle Nachweis gelang. Zusätzlich gelang Herrn Prof. Waldegger und seinen Mitarbeitern die Aufklärung des einer hereditären Hypomagnesiämie zugrundeliegenden genetischen Defektes. Die Charakterisierung des daran beteiligten Ionenkanals TRPM6, der erstmals auf molekularer Ebene Einblicke in die zelluläre und systemische Magnesium-Homöostase erlaubt, ist Gegenstand des Teilprojektes A4 des Marburger SFB 539 (Mechanismen der zellulären Kompartimentisierung und deren krankheitsrelevante Veränderungen).

Aktuell beschäftigt sich Herr Prof. Waldegger mit Fragestellungen zur Modifikation der Aktivität von Transportproteinen, die am Salztransport des Nephrons beteiligt sind. Hier interessieren vor allem Aminosäuren-relevante Polymorphismen der dazugehörigen Gene. Ein Schlüssel zur Ätiologie der multifaktoriellen Kochsalz-sensitiven Hypertonie wird in der Transportaktivität dieser Proteine vermutet. Die Entschlüsselung dieser sowie weiterer an der Regulation des
Salztransportes der Niere beteiligten Mechanismen wird Inhalt der künftigen Forschungsvorhaben von Herrn Prof. Waldegger sein.

Prof. Dr. Dr. W. H. Hörl, FRCP
Klin. Abt. für Nephrologie und Dialyse
Medizinische Universität Wien

 
 

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