Ausgabe 5/09 

KDIGO erreicht Konsens über neue Stadieneinteilung bei chronisch nierenkranken Patienten


San Diego, CA – Die Prognose von Patienten mit chronischer Nierenerkrankung (CKD) könnte besser verdeutlicht werden, wenn bei der CKD-Stadieneinteilung neben der GFR auch die Albuminurie Berücksichtigung fände und da­rüberhinaus die renale Grunderkrankung. Ein Konsens zu entsprechenden Änderungen des aktuellen CKD-Klassifizierungssystems wurde kürzlich im Rahmen einer aktuellen „Controversies Conference“ in London von KDIGO (Kidney Disease: Improving Global Outcomes) erarbeitet und am 1. November in San Diego auf dem Kongress der American Society of Nephrology präsentiert.

„Der erreichte Konsens besteht darin, die Definition von CKD anhand einer reduzierten GFR oder einer vermehrten Albuminausscheidung (Urin-Albumin/ Kreatinin-Quotient > 30 mg/g) beizubehalten, die bisherige Klassifizierung aber zu erweitern, um auch die CKD-Pro­-
g­nose angemessen beschreiben zu können. Durch die Ergänzung des Klassifizierungssystems um die Krankheitsursache und das Albuminuriestadium können wir eine bessere Korrelation zwischen Stadien und Krankheitsverläufen erreichen. Dies kann besonders bei älteren Patienten von Nutzen sein, die häufig eine verminderte GFR haben,“ erklärte Andrew Levey, MD, Vorsitzender der KDIGO-Konferenz in London und Leiter der Abteilung für Nephrologie an der Tufts University School of Medicine in Bos­ton.

Mehr als fünfzig Kohortenstudien mit insgesamt 1,5 Millionen Patienten wurden von  Experten in Vorbereitung der KDIGO-Konferenz in einer Meta-Analyse zusammengefasst und ausgewertet. Es zeigte sich eine deutliche Steigerung des Risikos für alle CKD-Krankheitsverläufe in Abhängigkeit der geschätzten GFR und des Urinalbumin-Kreatinin-Quotienten (ACR): So wurde allgemein ein erhöhtes Risiko ab einer GFR unter 60 ml/min/1,73 m2 und bei einem Urin-ACR von mehr als 10 mg/g (dem niedrigsten untersuchten Wert) beobachtet – je niedriger die GFR und je höher ACR, desto schlechter das Outcome.  
Für eine verbesserte Risikostratifizierung wurde das bisherige CKD-Stadium 3 in zwei Stadien unterteilt, bei denen das erste eine GFR von 45 bis 59 ml/min/ 1,73 m2 und das zweite eine GFR von 30 bis 44 ml/min/1,73 m2 umfasst.
„Durch diese Aufteilung können wir Patienten mit einem signifikant höheren kardiovaskulären Risiko sowie Patienten mit höherem Risiko einer Progredienz der Nierenerkrankung abgrenzen“, führt Prof. Dr. Kai-Uwe Eckardt, einer der beiden Vorsitzenden von KDIGO und Direktor der Medizinischen Klinik 4 am Universitätsklinikum Erlangen, aus. „Durch diese Veränderungen wird auch eine relativ kleine Gruppe von Patienten besser erfasst,  die eine reduzierte GFR zwischen 45 und 60 ml/min haben, aber keine Albuminausscheidung von mehr als 30 mg/g und deren Prognose deutlich besser ist als die anderer Patienten im Stadium 3“.

Generell spiegelt die neue Stadieneinteilung eine wesentliche Weiterentwicklung des  mit Einführung des Systems vor sieben Jahren vollzogenen Paradigmenwechsels in der Nephrologie wider  – weg vom Nierenversagen als lebensbedroh­lichem Endstadium einer  Erkrankung hin zu früheren Stadien der Nierenerkrankung mit dem Ziel der Risikostratifizierung und Sekundärprävention, einschließlich der Prävention von assoziierten kardiovaskulären Erkrankungen. KDIGO wird in naher Zukunft die klinische KDOQI-Leitlinie aus dem Jahre 2002 über die Definition und Klassifizierung von CKD auf der Basis des in London gefundenen Konsensus überarbeiten.
Die vollständigen Erkenntnisse der KDIGO „Controversies Conference“ werden 2010 in Kidney International veröffentlicht.  

Informationen zu KDIGO und zum Prozess der KDIGO-Richtlinienerarbeitung  
 KDIGO ist eine globale gemeinnützige, in Belgien eingetragene Stiftung, die sich für eine Verbesserung der medizinischen Versorgung und Krankheitsverläufe von Nierenkranken in aller Welt durch die Förderung der Koordination, Kooperation und Integration von Initiativen zur Erarbeitung und Umsetzung von Leitlinien einsetzt.  
KDIGO legt eine evidenzbasierte Methodik zugrunde, die sich an den Prozess der Richtlinienerarbeitung im Rahmen der NKF-Kidney Disease Outcome Quality Initiative (KDOQI™) anlehnt. Hierbei wird eine unabhängige Arbeitsgruppe, unterstützt von Experten in der Evidenzbewertung, beauftragt, die veröffentlichten Evidenzen einer strengen Prüfung zu unterziehen und Praxisrichtlinien zu formulieren. Vor der endgültigen Festlegung der Richtlinien durchläuft ein entsprechender Entwurf einen zweistufigen Bewertungsprozess:  Dabei erfolgt eine interne Bewertung durch das KDIGO Board, an die sich ein offenes Peer Review durch interessierte Organisationen und Ärzte in aller Welt anschließt.
Die Kommentare von Bewertern werden von der Arbeitsgruppe sorgfältig geprüft und gegebenenfalls in die Richtlinien eingearbeitet, bevor diese abschließend festgelegt und in Kidney International veröffentlicht werden.

Für weitere Informationen:
Prof. Dr. med. Kai-Uwe Eckardt
Klinikdirektor  
Medizinische Klinik 4  
Krankenhausstr. 12  
91054 Erlangen  
Telefon: +49 9131 85 39002  
Fax: +49 9131 85 39209  
E-Mail: med4@uk-erlangen.de
www.kdigo.org

 
 

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