Anlässlich des Nephrologiekongresses in Göttingen 2009 erhält Herr PD Dr. Huber den Hans U. Zollinger-Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie.
Herr PD Dr. Tobias B. Huber ist am 25.08.1971 in Waldkirch geboren. Er studierte Humanmedizin an den Universitäten Freiburg, Wien und Tampa (USA). Nach seiner mit summa cum laude ausgezeichneten Promotion über die Rolle von glomerulären Catecholamin- rezeptoren am Physiologischen Institut (Prof. Dr. R. Greger) und der Nephrologischen Abteilung (Betreuer: Prof. Dr. H. Pavenstädt) der Universitätsklinik Freiburg, setzte er ab 1999 seine klinische und wissenschaftliche Ausbildung an der Nephrologischen Abteilung der Universitätsklinik Freiburg (Prof. Dr. G. Walz) fort. Als Emmy Noether-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft forschte Tobias B. Huber von 2003-2006 am Department of Immunology and Pathology der Washington University St. Louis. Seit 2006 ist Tobias B. Huber mit seinem Emmy Noether-Forschungsteam wieder an der Nephrologischen Abteilung der Universitätsklinik Freiburg tätig, wo er 2008 die Facharztausbildung zum Internisten abschloss. Seit 2007 ist Herr PD Huber habilitiert und seit 2008 Oberarzt der Medizinischen Klinik IV (Nephrologie, Hypertensiologie und Allgemeinmedizin) am Universitätsklinikum in Freiburg (Prof. Dr. G. Walz).
Die Forschungstätigkeiten von Tobias B. Huber und seinem Team konzentrieren sich seit vielen Jahren auf die physiologischen und pathophysiologischen Vorgänge bei der Nierenfiltration (Simons M, Curr Opin Nephrol Hypertens 18:324-330, 2009; Huber TB, Dtsch Med Wochenschr 133:954-958, 2008). Bedingt durch die entscheidende Rolle bei fast allen Nierenerkrankungen, ist die Funktion der hochkomplexen glomerulären Filtereinheit in den letzten Jahren zu einer der zentralen Fragestellungen in der Nephrologie geworden (Pavenstädt H, Physiol Rev 83:253-307; 2003). Herr PD Huber konnte wesentlich dazu beitragen, grundlegende Signalmechanismen sowie das komplexe Zusammenspiel des Schlitzmembran- proteinkomplexes aufzuklären. Unter den mittlerweile über 30 Arbeiten zu diesem Thema zählen seine Arbeiten zur Identifikation von Nephrin als Signalrezeptor, der Klonierung der Neph-Protein-Familie, der erstmaligen Beschreibung oligogenetischer Faktoren für die Entstehung von glomerulären Erkrankungen und die kürzliche Identifikation von Signal- netzwerken zur glomerulären Entwicklung, welche zusammen bereits über 750 mal zitiert worden sind, zu den weltweit höchst beachtenden Arbeiten auf dem Gebiet der Nephrologie der letzten Jahre. Herr PD Huber und seine Mitarbeiter haben hierfür zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten (u. a. Stipendium der Nierenstiftung, Carl-Ludwig-Nachwuchspreis der GfN und Emmy Noether-Stipendium) und die von PD Huber eingeworbenen Forschungsmittel (bislang über EUR 2.000.000,-) sind beträchtlich.
Die Vermeidung eines fortschreitenden Nierenfunktionsverlustes und einer terminalen Niereninsuffizienz gehören zu den dringlichsten Aufgaben der modernen medizinischen Forschung. Das Verständnis der immunologischen, genetischen und molekularen Pathophysiologie des Nierenfilters könnte dabei eine entscheidende Grundlage für die Entwicklung spezifischer Therapieansätze und die Prävention einer terminalen Niereninsuffizienz darstellen. In den fünf nun ausgezeichneten Arbeiten, welche PD Huber und Mitarbeiter in Kooperation mit u. a. Prof. Walz (Freiburg), Prof. Benzing (Köln), Prof. Pavenstädt (Münster), PD Schiffer (Hannover), Prof. Chalfie (New York/USA), Prof. Kerjaschki (Wien) und Prof. Shaw (St. Louis/USA) durchgeführt haben, konnten mehrere bislang völlig unbekannte immunologische, genetische und molekulare Mechanismen zur Entstehung von Nierenerkrankungen identifiziert werden. Hierzu zählen:
1) Die Identifizierung eines polygenetischen Entstehungsmechanismus der fokal segmentalen Glomerulosklerose (Huber TB, J Clin Invest 116:1337-1345, 2006).
2) Die Charakterisierung eines funktionellen Mechanosensors der Schlitzmembran (Huber TB, Proc Natl Acad Sci USA 103:17079-17086, 2006).
3) Der erstmalige Nachweis eines aktiven Transports von Immunglobulinen an der glomerulären Filtrationsbarriere, welcher neue Einblicke in Immunkomplexablagerungen und entzündliche glomeruläre Prozesse liefert (Akilesh S, Proc Natl Acad Sci USA 105: 967-972, 2008).
4) Zwei molekulare Studien (Huber TB, J Am Soc Nephrol 20:798-806, 2009; Hartleben B, J Biol Chem 283:23033-23038, 2008), welche Signalmechanismen zur Aufrechterhaltung der komplexen dreidimensionalen glomerulären Architektur und Polarität be- schreiben und damit neue Erkenntnisse für die Umbauprozesse während glomerulärer Erkrankungen liefern.
Diese Arbeiten von PD Dr. Huber und Kollegen haben in ihrer Gesamtheit zu einem völlig neuen Verständnis über die molekularen Vorgänge am Nierenfilter geführt und so die Basis für neue, innovative Therapiekonzepte geliefert.
Kontakt:
PD Dr. Tobias B. Huber
Innere Medizin IV, Abteilung für Nephrologie und Allgemeinmedizin
Universitätsklinikum Freiburg
tobias.huber@uniklinik-freiburg.de
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